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Wunstorf · 10 min

Wunstorf EDVK — der Heeresflieger-Flugplatz

Portrait des Fliegerhorsts Wunstorf zwischen Heeresflieger-Tradition und heutigem A400M-Lufttransport-Geschwader.

Wunstorf EDVK — der Heeresflieger-Flugplatz

Der Fliegerhorst Wunstorf, ICAO-Kennung EDVK, ist einer der prägenden Bundeswehr-Flugplätze in Norddeutschland. Er liegt in der Stadt Wunstorf in der Region Hannover, Niedersachsen — eine Stadt mit etwa 41 000 Einwohner:innen direkt an der Bundesstraße 441, mit kurzer Anbindung an die A2 und an Hannover. Wer die Geschichte dieses Platzes erzählen will, erzählt eine Linie, die von 1936 bis zum heutigen A400M-Geschwader reicht.

Errichtung 1936 und Wehrmachts-Jahre

Der Flugplatz wurde 1936 als Wehrmachts-Stützpunkt errichtet. Bis 1945 diente er als Jagdfliegerschule und als Nachtjagd-Stützpunkt — in der zweiten Kriegshälfte gewann insbesondere die Nachtjagd-Nutzung an Bedeutung, weil die Lage westlich von Hannover für die Abfangverbände gegen die nächtlichen Bomber-Ströme der Royal Air Force günstig war. Die Original-Bahn-Anlage und Teile der Hangar-Linie aus dieser Zeit prägen den heutigen Platz noch in der Grundgeometrie.

RAF Station Wunstorf 1945-1956

Nach dem Mai 1945 fiel Wunstorf in die britische Besatzungszone und wurde als RAF Station Wunstorf zur Royal-Air-Force-Basis. Von 1945 bis 1956 betrieb das RAF Transport Command von hier aus seine norddeutsche Transport-Linie. Wunstorf war zentraler Stützpunkt während der Berliner Luftbrücke 1948-1949 — von hier aus starteten die viermotorigen Avro York-Transport-Maschinen mit Versorgungs-Ladungen Richtung Berlin-Gatow und Berlin-Tempelhof. Die Bahn-Frequentierung in dieser Phase war außergewöhnlich; Wunstorf trug einen messbaren Anteil an der westalliierten Versorgungs-Leistung der Blockade-Monate.

1956: Übergabe an die Bundesluftwaffe

1956 wurde der Platz an die neu aufgestellte Bundesluftwaffe übergeben. Mit der Übergabe begann die zweite — und bis heute prägende — Karriere von Wunstorf: zunächst als Heeresflieger-Standort, dann als Lufttransport-Standort.

Heeresflieger-Tradition

1957 wurde in Wunstorf die Heeresfliegerwaffenschule (HFlgWaS) aufgestellt. Sie war die zentrale Pilot-Ausbildungs-Linie für die Heeresfliegerverbände der Bundeswehr — eine Funktion, die Wunstorf bis Anfang der 1990er in der DACH-Region einzigartig machte. Die Do 27 war in dieser Schul-Linie das Standard-Verbindungs- und Schul-Flugzeug. Etwa 800 Heeresflieger-Piloten wurden zwischen 1957 und 1990 in Wunstorf ausgebildet — eine Zahl, die die Bedeutung des Standorts für die Heeresflieger-Sozialisation verdeutlicht.

Bis heute prägt diese Tradition das Selbstverständnis des Platzes und der Wunstorfer Stadt-Gesellschaft. Viele Heeresflieger-Veteran:innen sind in Wunstorf wohnhaft geblieben oder zurückgekehrt; der jährliche Veteranen-Treff im Vereinsheim des Heeresfliegerverbands Wunstorf e.V. ist eine feste Größe.

Heutige Bundeswehr-Nutzung: LTG 62

Die heutige Hauptnutzung des Platzes ist das Lufttransport-Geschwader 62 (LTG 62), das seit 1959 in Wunstorf stationiert ist und damit zu den ältesten kontinuierlich am selben Standort betriebenen Geschwadern der Luftwaffe gehört.

Die Muster-Linie des LTG 62 hat sich über die Jahrzehnte gewandelt. Von 1968 bis 2021 war die Transall C-160 das prägende Standard-Transport-Muster der Luftwaffe — insgesamt etwa 90 Maschinen, von denen in der Spitzen-Phase etwa 35 in Wunstorf stationiert waren. Parallel betrieb das Geschwader von 1968 bis 2021 die Bell UH-1D Iroquois in einer großen Hubschrauber-Flotte; von den insgesamt etwa 350 deutschen UH-1D waren in Wunstorf etwa 40 stationiert. Seit 1971 ist auch der schwere Transport-Hubschrauber Sikorsky CH-53G Stallion Teil der Linie; in Wunstorf sind etwa 25 dieser Maschinen stationiert.

Der Airbus A400M Atlas

Seit 2014 fließt das aktuelle Hauptmuster zu: der Airbus A400M Atlas. Der A400M ist ein viermotoriger Propeller-Turboprop, der vom Airbus-Konsortium seit 2009 gebaut wird; die Endmontage erfolgt in Sevilla, einzelne Sektionen werden in Bremen-Lemwerder gefertigt. Die Bundeswehr hat etwa 53 Maschinen bestellt, von denen Stand Mitte 2026 etwa 47 ausgeliefert sind. In Wunstorf sind davon etwa 25 stationiert — der Standort ist damit das logistische Zentrum der deutschen A400M-Linie.

Die Eckdaten der Maschine sind beeindruckend: vier Europrop International TP400-D6-Turboprop-Triebwerke mit jeweils etwa 11 000 PS, eine Reichweite von etwa 4 500 km bei 30 t Nutzlast und die Fähigkeit zur Landung auf unbefestigten Pisten. Damit löst der A400M die Transall in praktisch allen Einsatz-Rollen ab und bietet zusätzlich strategische Reichweite, die der C-160 fehlte.

Zivile Klassik-Aviation in der Nähe

Für zivile Klassik-Flugzeug-Halter:innen — und damit auch für Do-27-Halter:innen aus der Region Hannover — ist EDVK Wunstorf nicht direkt nutzbar. Der Platz ist militärisch und vergibt keine PPR-Berechtigungen für Klassik-Flugzeug-Anflüge. Die zivile Klassik-Linie weicht auf zwei nahegelegene Verkehrslandeplätze aus.

Hodenhagen-Bockel (EDVH) liegt etwa 35 km westlich und bietet eine Gras-Bahn mit unkomplizierter Anflug-Genehmigung. Mariensee-Klein-Heidorn (EDVQ) liegt etwa 15 km nördlich von Wunstorf und ist mit seiner kurzen Anfahrt von Wunstorf der bevorzugte Stützpunkt vieler Heeresflieger-Veteranen, die heute zivil eine Do 27 oder eine vergleichbare Klassik-Maschine halten.

Heeresflieger-Veteranen-Tradition

Die Heeresflieger-Geschichte Wunstorfs lebt im Heeresfliegerverband Wunstorf e.V. weiter. Der Verein hat 2026 etwa 800 Mitglieder und ist damit einer der größten militärluftfahrt-bezogenen Veteranen-Vereine in Niedersachsen. Die jährliche Mitglieder-Versammlung im Wunstorf-Vereinsheim ist ein fester Termin im DACH-Heeresflieger-Kalender; bei Sonderveranstaltungen sind regelmäßig flugfähige Do 27 von Halter:innen aus der Region zu Gast.

So liegt über dem Fliegerhorst Wunstorf eine Doppelschicht: der heutige A400M-Betrieb mit seinen leisen, aber massiven Turboprop-Geräuschen, und darunter eine Heeresflieger-Erinnerungs-Schicht, die mit dem Lycoming-Klang einer Do 27 untrennbar verbunden bleibt.


Ressort: Wunstorf