Restaurierungsprojekt D-EAWW:

Die Do27, Werknummer 448 wurde als Version A3 im Februar 1960 gebaut und verblieb

bei Dornier als Vorführflugzeug, bis sie Ende März 1960 an die Deutsche Taxiflug

ausgeliehen wurde. Kennzeichen D-EBAD. Bis zum 01.04.1963 wurde sie neben der

Hannover-Messe für verschiedene andere Taxiflugeinsätze genutzt. Danach wurde sie zum

JaBoG 36 nach Hopsten überstellt und diente als persönliches Flugzeug des

kommandierenden Generals als ND+205. Ende Juli 1963 wurde sie an die LRuVSt nach

Faßberg überführt und auf A5 Standard umgerüstet. Am 10.09.1964 wurde sie zur 2./HFB 6

nach Itzehoe überstellt und trug bis zur Ausmusterung am 22.05.1970 die Kennzeichen

PF+107, PF+221 und 57+20. Verkauft an Wohnwagen Thiele als Do27 A4 erfolgte die

Zivilzulassung D-EAWW am 26.11.1970. Im April 1971 kaufte sie Paul Hülshoff und

stationierte sie als Absetzflugzeug in Bad Gandersheim. Im Mai 1979 erlosch die

Verkehrszulassung und am 08.11.1979 wurde das Flugzeug aus dem Register gestrichen.

Auch wenn das Kennzeichen auf Anfrage von Paul Hülshoff am 19.01.1983 neu beantragt

wurde, blieb das Flugzeug zerlegt in Bad Gandersheim eingelagert. Der Zahn der Zeit

nagte stark an dem Flugzeug und leider wurde mehrfach eingebrochen, Teile

geklaut oder zerstört... Ende 2005 konnten die Reste der Maschine durch unser IGM erworben

werden. Die Struktur scheint noch gut erhalten und ein Wiederaufbau möglich. Im Mai 2006

konnte das Flugzeug von Bad Gandersheim nach Wunstorf gebracht werden. Nun geht es

um Konservierung und Ersatzteilsuche...

 

 

 

 Bevor das Original wieder flügge werden konnte, wurde geträumt und in kleinen Schritten angefangen.

 

Erst wurden Modelle gebaut

 

und nachdem die Digital Aviation Do27 für den FS2004 / FS X fertig war hat sich Chris Brisland bereit erklärt, ein

Repaint als D-EAWW zu erstellen.

 

 

Beim Do27 Treffen 2008 machten wir uns den Spaß, das Projekt, die original D-EAWW wieder in die Luft zu

bringen, einmal vorzustellen.

Das Interesse war überraschend groß. Leute wollten Geld spenden, Ersatzteile, Arbeitsleistung, Hallenfläche, Werkstattfläche,...

 

 

Bei diesem Treffen lernten wir auch Hans-Günter Bürschgens kennen, der das Treffen mit seiner ferngesteuerten

Do27 D-EKUT bereicherte.

Auch er war von dem Projekt begeistert, sodass es nach der Flugsimulator Version nun auch eine ferngesteuerte

D-EAWW gibt, die sich 2009 wieder in die Luft erheben wird.

 

 

Aktuell umgerüstet auf E-Motor und breites Fahrwerk und so noch näher am Original

 

 

Auch der Vorbesitzer unserer D-EAWW hatte den Wunsch, das diese Maschine wieder fliegen sollte. Schon 1994

wurde somit die Übereinkunft getroffen das wir (Paul / Markus) den Vogel wieder zusammen in die Luft bringen

wollten. Fehlenden Teile und Dokumente waren alle an einem gesonderten Ort vorhanden.

Allerdings wurde das Projekt krankheitsbedingt auf Eis gelegt.

 

Wenn man etwas verspricht, sollte man diese Versprechen auch halten. Nachdem der Vorbesitzer leider verstorben

war sprang der Rest der IGM Do27 (allen voran Jürgen Gliffe) ein, um das Projekt mit zu realisieren.

Die anfänglich freundliche Unterstützung über den Verkauf der zum Flugzeug gehörenden Teile und Dokumente

folgte bald Ernüchterung. Kaufverträge wurden geschlossen und widerrufen. Dokumente ausgehändigt und zurück

gefordert und der Preis von Gespräch zu Gespräch in die Höhe getrieben. Spätestens wenn man dann den ideellen

Wert dem realen Wert gegenüber stellt, macht so ein Projekt irgendwann keinen Sinn mehr. Aber die Oldtimerszene

ist eine kleine und die Do27 Szene eine noch viele kleinere...

 

Also erfährt man sehr schnell von Mitbewerbern oder Preisen. Es gehört einfach nicht zum guten Ton, bei laufenden Verhandlungen Teile "unserer" Maschine auf einem von uns veranstalteten Do Treffen anderen zum Kauf anzubieten

oder Kaufinteressenten falscher Tatsachen vorzuspielen, um den Preis hochzutreiben und dann doch nicht zu verkaufen... Schön zu sehen, wie die Do Gemeinde dann doch zusammen hält und nach anderen Wegen sucht, sich gegenseitig zu helfen!!!

 

Dieser Text soll auch keine Abrechnung sein über den ganzen Ärger der letzten Jahre sondern mit Freude zeigen,

wie eine Gemeinschaft sich gegenseitig helfen kann, wenn alle mitziehen. Denn es wird auch in Zukunft nicht einfacher, diese besonderen Vögel in der Luft zu halten. Das geht nur durch gegenseitige Hilfe.

 

Und vielleicht erkennen dann auch die, die Geldgier über die Zukunftspläne eines alten Mannes und eine kleinen Jungen gestellt haben, dass etwas falsch gelaufen ist. Denn diese alte Do war nicht nur ein Flugzeug, sondern das

Lebenswerk eines besonderen Menschen. Dieses gibt man weiter, damit zukünftige Generationen daran teilhaben können und sich gerne an die Menschen erinnern, die diese Werte geschaffen haben. Niemand will etwas geschenkt haben. Aber

der Preis wird heute diktiert von Zulassungsvorschriften, Wartungsintervallen und Marktlage und nicht von einer alten,

vergilbten Preisliste oder Geldgier.

 

Denn das Flugzeug wird wieder fliegen. Ob mit seinen Teilen von 1979 oder mit anderen!

 

Allerdings war klar, dass ohne die ganzen Teile und Dokumente es unmöglich wäre, die D-EAWW wieder in die Luft zu bringen. Abgesehen von dem riesigen Arbeitsaufwand und Kosten der Restaurierung. Auch wenn sie immer

wieder fliegen sollte... Eine fachmännische Konservierung über die Jahrzehnte ist sowohl bei dem Flugzeug wie auch

den Ersatzteilen gänzlich ausgeblieben.

 

Über viele Jahre hatte unser Freund Martin Rulffs an seinem eigenen Lebenstraum gearbeitet. Eine Do27 als fliegendes Zebra mit der Kennung D-ENTE zu restaurieren und damit, auf den Spuren von Professor Grzimek, in die

Serengeti zu fliegen. Im August 2008 bereicherte er unser Do27-Treffen, bevor es weiter nach Afrika ging.

Die ARD brachte einen schönen Film über dieses Projekt. Nach Abschuss der Dreharbeiten konnte Martin die

D-ENTE nicht persönlich wieder zurück fliegen, sodass ein anderer Pilot das Flugzeug überführen sollte. Leider verlor dieser bei einer Landung die Kontrolle über das Flugzeug, was zu einem wirtschaftlichen Totalschaden der Do führte.

 

Martins Traum schien zu Ende und unserer Traum von einer flugfähigen D-EAWW steckte mal wieder in der Klemme, weil Versprechen über die verbliebenen Teile der D-EAWW mal wieder nicht eingehalten wurden...

 

Bei einem Telefonat mit Martin war schnell klar, dass jeder von uns das hatte, was der andere brauchte.

Schnell wurden wir uns einig, dass es nur weiter gehen konnte, wenn wir zusammenarbeiten.

 

Unter Federführung von Erik Baues und seinem Team der Flugzeugwerft in Finsterwalde wurden die Restaurierung in

Angriff genommen. Das Team hatte schon Martins erste D-ENTE restauriert und brilliert durch Fachwissen,

Ausrüstung und Arbeitsweise. Es gibt wohl keinen besseren Partner für so ein verrücktes Projekt und das Ergebnis

zeigt die hohe Qualität.Die Jungs sind nicht nur kompetent sondern auch super nett und man merkt, dass es auch für

sie mehr als eine normale Arbeit war.

 

Im November 2008 hat die D-EAWW ihr Zwischenlager in Wunstorf Richtung Finsterwalde verlassen  und auch der

Container mit den Resten der D-ENTE war auf dem Weg nach Deutschland.

 

 

Nachfolgend ein paar Impressionen auf denen zusammen wächst, was zusammen gehört. Es lässt nur erahnen,

wie viel Arbeit die Mannschaft in Finsterwalde in das Projekt stecken musste. Aber es zeigt deutlich, dass sie keine

halben Sachen machen und die Qualität ein echtes Aushängeschild ist. Fehlende Ersatzteile wurden nach und nach

gesucht, beschafft und nach fast einem Jahr ist das Ergebnis komplett.

 

   
   

 

Im Juli 2009 brachten wir dann einen Leihpropeller für Martin nach Finsterwalde und bekamen von Alfred Mennecke

eine untere Cowling, damit die ersten Motortestläufe stattfinden konnten. Ein großer Schritt Richtung Erstflug und ein

großer Erfolg.

 

 

Am 05.10.2009 war dann der große Tag und die neue D-ENTE sollte endlich wieder in die Luft.

 

So gab es nach etwas mehr als einem Jahr endlich wieder ein fliegendes Zebra am Himmel. Für die ex D-EAWW

waren es sogar 31 Jahre, seit sie das letzte Mal vom Boden abhob.

 

Ein unbeschreiblicher Moment, wenn man so lange für diese beiden Projekte gekämpft hat und nun gemeinsam am

Ziel ist!!!

 

 

 

 

 

 

Die Zauberer von Finsterwalde!!!

 

 

Diejenigen, die es für unmöglich halten sollten denen nicht im Weg stehen, die es machen!!!

 

In diesem Sinne "many happy landings" für dieses traumhafte Flugzeug und ein riesiges Dankeschön an alle,

die in der ein oder anderen Art mitgeholfen haben, dass Martin und Markus am 05.10.2009 im Kreis grinsen konnten :-)

 

Stellvertretend:

 

- Erik Baues und sein Team der Flugzeugwerft Finsterwalde

- Martin Rulffs

- Jürgen Gliffe

- Wilhelm Langhorst

- Helga und Heinz-Dieter Rheinländer

- Fritz Krantz

- Alfred Mennecke

- Kathrin Helg

- Leo Schmitt

- Hans-Günther Bürschgens

 

Heisser Tip zum Schluss:

www.flugzeugwerft.eu

www.maintenance-fairport.com

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Neuigkeiten 2010

 

D-ENTE ist ab sofort (08.03.2010) im Dornier-Museum in Friedrichshafen ausgestellt.

Das Dornier-Museum hat die D-ENTE als Leihgabe bis 30.4.2010 erhalten.

Dort wird sie gemeinsam mit den anderen Exponaten ausgestellt.

Während der AERO wir sie am Messestand des Museums zu sehen sein.
 

Welche Ehre und krönender Abschluss einer so langen und umwegreichen Reise,

zurück ins Fliegerleben!